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Freitag, 14. Januar 2011, 00:01

Hallo, hier mal meine Interpretation von dem Song. Beim ersten Mal Hören dachte ich auch erst an das Lebendig-Begrabensein, allerdings unterstelle ich Rammstein (bwz. Till) immer Botschaften "zwischen den Zeilen". Daher kam bei näherer Überlegung das hier für mich raus (ohne die vorangegangenen Beiträge hier im Forum gelesen zu):

(Wem das zuviel Text ist, kann die roten Einträge einfach auslassen)

Ein Kind wird während der kalten Winterzeit sexuell missbraucht (Hoppe hoppe Reiter) und niemand bemerkt es, niemand hilft (Und kein Engel steigt herab). Es weint in seinem Bettchen (=Grab/Tatort), kann es nicht ertragen und stirbt innerlich (Mein Herz schlägt nicht mehr weiter). Während des Missbrauchs läuft die Melodie seiner (Lieblings-) Spieluhr (Hoppe hoppe Reiter, eine Melodie im Wind). Das Kind ist stundenlang apathisch (Das kleine Herz stand still für Stunden), aber man geht davon aus, dass es einfach (tot-)müde ist (So hat man es für tot befunden). Es wird in seinem nassen (evtl. durch Tränen, Sperma, etc.) Bettchen zugedeckt (Es wird verscharrt in nassem Sand) und bekommt zum Einschlafen die Melodie seiner Spieluhr vorgespielt (Mit einer Spieluhr in der Hand), welche bisher immer beruhigend auf das Kind einwirkte. Doch bereits in der ersten Nacht wacht es von seinem (Alb-)Traum auf (Der erste Schnee ... ist das kleine Herz erwacht). Es hat Angst (=Frost) und möchte sich mit seiner Spieluhr beruhigen (Hat es die Spieluhr aufgezogen). Doch diese (Horror-)Melodie weckt schlimme Erinnerungen. Das Kind schreit (Der kalte Mond... hört die Schreie in der Nacht), da jedoch wieder niemand zur Hilfe kommt (Und kein Engel steigt herab) fängt es erneut an zu weinen. Es setzt sich auf den harten Holzboden (Zwischen harten Eichendielen) – vielleicht, weil es sein Bett/Tatort nicht mehr ertragen kann – und zieht erneut die Spieluhr auf. Das kleine Kind kann sich mit Worten nicht mitteilen und lässt deshalb die Spieluhr „sprechen“ (=spielen). Kurz vor der Adventszeit kommt die Wahrheit in der Kirche – bei der Beichte? - ans Licht (Am Totensonntag hörten sie aus Gottes Acker diese Melodie) und das Kind ist somit ein Stück weit befreit und es kann ihm geholfen werden (Da haben sie es ausgebettet und das kleine Herz im Kind gerettet).

  • »stevedave« ist männlich

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52

Freitag, 14. Januar 2011, 04:35

Warum nicht :-)
"Wir sind nur so Ost-Berliner Klopfköpfe."

Paul Landers im August 1998

Registrierungsdatum: 19. November 2010

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53

Freitag, 14. Januar 2011, 16:54

Genial :)

Seemann85

Seebär

  • »Seemann85« ist männlich

Registrierungsdatum: 15. Oktober 2008

Wohnort: Bielefeld

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54

Sonntag, 24. Juli 2011, 18:02

Spieluhr handelt von einem Kind, das schwere Zeiten (Uhr) spielerisch (Spiel) versucht zu überwinden. Die Spieluhr ist ein mechanisches Musikinstrument. Sie wird in diesem Text ebenfalls aber, so denke ich, als symbolisches Mittel eingesetzt, für eine schlimme Zeit (Uhr) die spielerisch (Spiel) umgesetzt wird, um sie besser zu verarbeiten. Meiner Meinung nach erlebt das Kind gleich zwei schlimme Ereignisse (Zeit) in seinem jungen Leben. Einmal Lebendig begraben zu werden und ausserdem den sexuellen Missbrauch. Wenn man den Text aufmerksam liest, dann denke ich wird jedem klar, das ausser dem lebendig begraben werden, etwas anderes nicht stimmt. Man muss sich fragen, was gibt einem Kind den Grund allein sein zu wollen? Hier geht es ja nicht darum, mal kurz zeit für sich haben zu wollen, sondern um einen radikalen wunsch des alleinseins, da sogar der Scheintod als Mittel eingesetzt wird mit dem Ziel des Alleinseins. Also was kann ein Kind dazu veranlassen mit radikalen Mitteln (Scheintod) zu versuchen, keine anderen Menschen bei sich zu lassen? Wovor kann sich ein Kind so sehr fürchten, wenn andere Menschen in seiner nähe sind? Das müssen aufjedenfall schlimme Dinge sein, wenn das Kind sogar mit einem Scheintod die anderen von sich entfernen will.

Als nächstes fällt einem auf, das das Kind tatsächlich von Einsamkeit umgeben ist. Man fragt sich bei diesem Text, wo denn die liebevollen Eltern sind und warum sie gar nicht im Text erwähnt werden. Stattdessen wird die Einsamkeit und Kälte (Gefühlskälte) regelrecht laufend betont. "Nur der Regen weint am Grab", aber warum die anderen nicht? Wer ist den so Gefühlskalt und sieht dieses Kind nur als ein Totes Objekt und trauert deswegen nicht darum? Jemand der um sein Kind nicht trauert, kann es ja nicht sehr geliebt haben. Zu was ist ein Mensch fähig, der einen andere Menschen nicht liebt? Wie sehr würde es diesem Menschen weh tun, wenn seinem nicht geliebten Menschen schmerz wiederfährt?

Zudem wird das Kind verscharrt, nicht bestattet oder beerdigt. Verscharren bedeutet verbuddeln, wird jedoch verwendet wenn etwas verheimlicht/Verbogen werden soll. Was gibt einem den Anlass, ein Kind zu verheimlichen? Hat das Kind irgendein verborgenes Geheimnis, das niemand wissen darf? Was könnte das wohl sein? Auch fällt auf, das das Kind zum Schluss immer noch dieses spielerische Lied singt, obwohl es gerettet wurde aus der dunklen Erde. Es singt immer noch auf der Erde, vorher in der Erde. Wie erwähnt, glaube ich hat die Spieluhr eine symbolische bedeutung, für eine schwere Zeit die spielerisch versucht wird, zu überwinden. Doch sollte nach der Befreiung aus der Erde nicht die schlimme Zeit vorbei sein? Wohin kommt das kind, nach dem es wieder aus der Erde geholt wird? Wären das nicht eigentlich die Eltern (oder andere Erziehungsberechtigte)? Warum gibt es da eine schwere Zeit?

Warum wird der Kinderreim "Hoppe Hoppe Reiter" verwendet? "Hoppe Hoppe Reiter" ist ein Kniereitvers, wo sich das Kind auf den Schoss des Erwachsenen setzt, der das Kind rauf und runter wippt und dazu den Kinderreim aufsagt. Man findet diesen Reim allerdings auch als Synonym für die Reiterstellung im Sexual Bereich. Ich glaube nicht, das Rammstein diesen Kinderreim durch zufall einfach in das Lied eingefügt hat. Ich finde wenn man diese ganzen Fakten als Puzzle zusammenfügt, kann man schon auf sexuellen Kindesmissbrauch kommen. Aber ist nur meine Meinung, vieleicht ist das ja auch alles anders gemeint.


Interessant ist auch, wenn man die Wörter "Grab" und "Erde" einfach mit dem Wort "Bett" ersetzt, wie weit wird dadurch der Text entfremdet? Es geht nicht um die Einführung (Intro/Anfang) oder der Rettung (Ende), sondern um die schlimme Zeit im Grab (Das Geschehnis). Wie erwähnt, muss vorher auch was Geschehen sein, denn warum will das Kind allein sein, warum trauert keiner um das Kind, warum wird es verscharrt und nicht beerdigt und warum singt es nach der Rettung immer noch diesen Kinderreim? Was ist also vorher Geschehen? Nehmen wir einfach mal das Wort "Bett", welche Kälte könnte Nachts zu dem Kind am Bett gekommen sein und es sanft wecken? Welche Kälte könnte in das Kind "geflogen" kommen, woraufhin das Kind seine
vieleicht innere Spieluhr aktiviert? Was kann der Grund sein das das Kind nachts schreit? Sind Eichendielen nur bei einem Sarg zu finden oder auch im Schlafzimmer? Was lässt das Herz eines Kindes erstummen vor Schreck mitten in der Nacht? Kann man durch diesen simplen Wortwechsel das vorige Geschehen ermitteln, was den Anlass für den Scheintod des Kindes ist?

Entschuldigt diesen langen Beitrag, wo schon fast alles wichtige gesagt wird zum Text, aber ich wollte das wirklich verständlich machen, warum ich der Meinung bin, das es hier tatsächlich um Kindesmissbrauch geht. Der Kinderreim im Refrain wird gesungen von Khira Li Lindemann, der Tochter von Richard Kruspe. Das lyrische Ich in dem Text ist eine völlig neutrale Person, die die Geschichte aus einem fernen Blickwinkel erzählt. Man kann den Text auf zwei weisen verstehen. Entweder für ein Erlebnis für zwei Ereignisse (Lebendig begraben und Missbrauch) oder aber den Text komplett als Metapher verstehen. Also das dieses Begräbnis nicht in wirklichkeit stattfindet, sondern das Grab ein Metapher für eine art Gefägnis ist, woraus das Kind nicht fliehen kann und von daher seine Gefühle ausschaltet (Herz) und spielerisch in eine andere Welt flieht. Der Text könnte also die Gefühle des Kindes beschreiben, das von etwas eingeängt wird und in dieser Position nur Kälte erfährt.

Ein kleiner Mensch stirbt nur zumSchein
wollte ganz alleine sein
das kleine Herz stand still für Stunden
so hat man es für tot befunden
es wird verscharrt in nassem Sand
mit einer Spieluhr in der Hand

Vieles habe ich schon in der Einführung erzählt, von daher hoffe ich, das es ok ist, wenn ich nicht nochmal haargenau auf den Text eingehe. Der Text ansonsten ist, denke ich, sehr leicht gestrickt und man muss nur versuchen zwischen den Zeilen zu lesen. Hier ist also das kleine Kind, das alleine sein will und von daher so tut (Schein) als ob es Tod ist. Wie gesagt, hier ist die Frage, warum tut das Kind dies? Meine Antwort darauf wäre, um den Missbrauch zu entfliehen. Den Scheintod (Das Lied) kann/muss man natürlich symbolisch sehen, auch wenn der Scheintod früher durchaus möglich war. Jedoch ihn selbst zu veranlassen und somit lebendig begraben zu werden, ist eigentlich ein Ding der unmöglichkeit. Aber in welcher weise man den Text verstehen kann, habe ich ja bereits in der Einführung erzählt (zwei Geschehnisse oder Metapher für "Gefängnis"). Weiterer wichtiger Punkt hier ist das Wort "verscharrt". Normalerweise müsste so ein Satz heissen "Es wird begraben unter der Erde", doch hier wird das Kind verscharrt in nassem Sand. Das Wort verscharrt benutzt man eigentlich für etwas heimliches oder verborgenes und im weichen Sand kann man etwas schneller verscharren, als unter der harten Erde. Bedeutet also das dieses Kind schnell (Sand) vergessen (verscharrt) werden soll. Denn das Kind trägt ein Geheimnis, das kein anderer wissen soll. Wenn man anschliessend die Kälte verstehen möchte, muss man sich mal nur richtig den Text sich bildlich vor Augen führen. Nach nur paar Stunden wird das Kind schnell im nassen Sand verscharrt.

Der erste Schnee das Grab bedeckt
hat ganz sanft das Kind geweckt
in einer kalten Winternacht
ist das kleine Herz erwacht

Als der Frost ins Kind geflogen
hat es die Spieluhr aufgezogen
eine Melodie im Wind
und aus der Erde singt das Kind

Ein wichtiger Punkt ist hier die ständig erwähnte Kälte, womit das Kind konfrontiert wird. Das Grab des Kindes wird damit bedeckt und das Kind wird sogar persönlich damit konfrontiert, indem der Frost sogar in das Kind geflogen kommt. Also um das Geschehen und die Reaktion darauf mal Chronologisch wiederzugeben: Die Kälte (Schnee) kommt (Ereignis), das Kind wacht davon auf (Reaktion), die Kälte (Frost) greift das Kind an (Ereignis), das Kind setzt die Spieluhr ein (Reaktion). Wie bei der Einführung erwähnt, ersetzt mal die Wörter "Grab" und "Erde" einfach mal mit "Bett". Der Ort ist dann zwar ein anderer, aber das Geschehnis (Ereignis & Reaktion) bleiben gleich erhalten und geben der Kälte nur eine andere Persönlichkeit. Die Kälte bleibt weiterhin der Täter, der das Kind weckt und attackiert, nur das man an diesem Ort (Schlafzimmer, Kinderzimmer) die möglichkeit hat, die Kälte in einen gefühlskalten menschlichen Täter zu verwandeln. Was die Spieluhr und das drumherum (Melodie im Wind, singt das Kind) bedeutet, habe ich ebenfalls ausführlich in der Einführung erklärt.

Hoppe hoppe Reiter
und kein Engel steigt herab
mein Herz schlägt nicht mehr weiter

nur der Regen weint am Grab
hoppe hoppe Reiter

eine Melodie im Wind
mein Herz schlägt nicht mehr weiter

und aus der Erde singt das Kind

Wie erwähnt ist "Hoppe hoppe Reiter" ein Kniereitvers, was das Kind hier singt, nachdem es von der Kälte attackiert wurde. Das Kind ist sich einer Gefahr bewusst und versucht die Zeit (Uhr) spielerisch (Spiel) zu überstehen mit hilfe dieser symbolischen Spieluhr bzw dem Lied. Auch kein (Schutz-)Engel wird zu dem Kind kommen, um es vor der Gefahr (die Kälte) zu befreien. Das einzige was an dem Gefahrenort (Grab) "mitgefühl" zeigt, ist der Regen, also nichts um genau zu sein.

Der kalte Mond in voller Pracht
hört die Schreie in der Nacht
und kein Engel steigt herab
nur der Regen weint am Grab

Zwischen harten Eichendielen
wird es mit der Spieluhr spielen
eine Melodie im Wind
und aus der Erde singt das Kind (Refrain)

Auch hier wird wieder die Kälte erwähnt (Kalte Mond), die in voller Pracht erscheint. Wenn man den Ort ins Kinderschlafzimmer verlegt, wo die Kälte in voller Pracht sich präsentiert und das Kind anfängt zu schreien, wird denke ich verstehen, wie das gemeint ist. Wenn nicht, in voller Pracht heißt natürlich sich zu entblössen und der einzige der das kinderschreien mitbekommt, ist der der sich entblößt. Der Rest des Textes denke ich sollte auch verständlich sein, kam ja alles schon vor. Und wie erwähnt, Bretter aus Eichenholz findet man nicht nur im Sarg.

Am Totensonntag hörten sie
aus Gottes Acker diese Melodie
da haben sie es ausgebettet
das kleine Herz im Kind gerettet

Interessant an dieser Stelle finde ich, das Rammstein sich hier an einer Protestantischen Tradition bedient, obwohl sie sich sonst eher mit den Katholischen Traditionen befassen. Der Totensonntag ist speziel in Deutschland von den evangelischen Kirchen ein Gedenktag an die Verstorbenen. Also an dem Tag, wo an den Verstorbenen gedacht wird, nimmt man das Kind wahr. Der Gottes Acker ist nur eine alte Bezeichnung für einen Friedhof, wo sie das Kind ausgraben (ausgebettet). Die Frage hier ist jetzt, ob die Rettung ein Happy End ist oder nicht. Eigentlich hätte ich den Text jetzt so verstanden, das das Kind wahrgenommen wurde und aus dem Gefängnis befreit wurde. Im Sinne der Begräbnisgeschichte stimmt das ja auch, aber denke für die Missbrauchsgeschichte kann man das so nicht verwenden, wenn man den letzten Refrain sich nochmal anhört:

Hoppe hoppe Reiter
eine Melodie im Wind
mein Herz schlägt nicht mehr weiter

und auf der Erde singt das Kind (usw....)


Wichtig ist hier nur die letzte Zeile. Vorher hiess der Satz immer "und
aus der Erde singt das Kind", diesmal jedoch "und auf der Erde singt das Kind". Fürs erste bedeutet das ja nur, das das Kind nicht mehr unter der Erde ist. Was mich stutzig macht ist,
warum singt das Kind immer noch? Also warum ist die Spieluhr noch Aktiv? Ich verstehe das so, das das Kind aus seinem eventuell inneren Gefängnis befreit wurde und ins alte Gefängnis zurückkehrt. Oder halt aus dem Sarg befreit wurde und zurück zum Täter gebracht wird (für die, die den Song in zwei Geschehnisse sehen). So oder so, es wäre kein Happy End.
Mein Teil der Interpretation #mce_temp_url# (Version 4.0)
-(PDF Datei/Grösse: 35 MB/85 Seiten)- -Neue Version 4.0 nun mit Reise, Reise

Laura96

Ironie setzt Intelligenz beim Empfänger voraus.

  • »Laura96« ist weiblich

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55

Samstag, 27. August 2011, 22:27

eine freundin war letztens bei mir und wir haben spieluhr gehoert.
sie meinte, sie verstehe immer 'im keller ist kein wein mehr' , statt 'mein herz schlaegt nicht mehr weiter' :)) :)) :))

hudeley

unregistriert

56

Samstag, 27. August 2011, 23:15

und meine mutter dachte es heißt "backe, backe weiter" :facepalm:

seebär: saubere interpretation, wie immer halt. :ok: